18. März – Kampftag der politischen Gefangenen

Ein Grußwort von Pat – politischer Gefangener und Sprecher der GG/BO der JVA Waldheim

Vorwort der Redaktion

Wir veröffentlichen an dieser Stelle das Grußwort unseres Freundes und Genossen Pat, geschrieben für den 18. März, den internationalen Tag der/s politischen Gefangenen. Der internationale Kampftag erinnert an die Entstehung der Pariser Kommune am 18. März 1871, dem, wie Marx es schrieb, ersten Versuch der „Enteignung der Enteigner“. Wie weit wir momentan noch von dieser weltgeschichtlichen Aufgabe des Proletariats entfernt sind, zeigt vieles, unter anderem die Geschehnisse im Berliner Vorbereitungsbündnis hin zum 18. März 2018. Hier kam es Mitte Februar zu einem undemokratischen Ausschluss der Gruppe BDS-Berlin unter dem Vorwurf des Antisemitismus. Wir lehnen die reaktionäre Gleichsetzung von Antizionismus und Antisemitismus als Kampfmittel ab und solidarisieren uns mit BDS-Berlin. Nachdem auf einem Folgetreffen kurdische und palästinensische Kräfte diese Entscheidung anfechten wollten, wurde das Bündnis im Schulterschluss von VertreterInnen der Roten Hilfe Berlin und der GG/BO (Gefangenengewerkschaft / bundesweite Organisation) aufgelöst. Auch unser Freund und Genosse Pat als Mitglied der GG/BO ist hierüber entsetzt, weshalb er dieses Grußwort an die Demonstration und die VeranstalterInnen verfasste.

Grußwort

Hallo, mein Name ist Pat, ich bin 25 Jahre alt und sitze eine mehrjährige Haftstrafe wegen politischer Brandstiftungen ab. Ein wenig mehr als 1 Jahr ist es her, als sie mir mit der Urteilsverkündung die Handschellen anlegten. Die erste Zeit in Haft war am anstrengendsten: die Isolation, die Einsamkeit und der geistige Degenerationsprozess, gegen den anzukämpfen so unfassbar schwer ist. Tür an Tür mit Ratten, Vergewaltigern und Leuten der Gruppe Freital zu leben, ist schon eine krasse Veränderung des bisherigen Lebens.

Aber ich lebe noch, körperlich wie geistig. Ich bin fitter, als ich es lange nicht mehr war, und mein Kampfesmut, mein Wille und meine Hingabe für die revolutionäre Bewegung, für den Kommunismus, sind stärker denn je. Dies verdanke ich vor allem jenen, die mich in dieser Zeit tatkräftig unterstützten. Ohne die tapferen GenossInnen des „Free Pat – Solikreises“ wäre mir die politische Weiterbildung in der Form nicht möglich und ohne all die Briefe, die ich von FreundInnen und GenossInnen regelmäßig erhalte, wäre mein Leben hier kaum auszuhalten.

Aber ich weiß, dass ich bei weitem nicht der Einzige bin, der das temporäre Problem hat, Gefangener zu sein. Erinnern wir uns an die Festnahmewelle bei G20 letztes Jahr, die Repression gegen unsere kurdischen und palästinensischen Brüder und Schwestern, weil sie sich gegen die Unterdrückung, Ausbeutung, Vertreibung und Vernichtung ihrer Volksgruppe gerade machen.

Selbst im Solikreis für politische Gefangene lässt sich das Geschwür, das sich SektiererInnen nennt, beobachten. So wurde die Gruppe BDS-Berlin aus dem Demobündnis ausgeschlossen, da sie sich mit dem legitimen und gerechten Freiheitskampf unserer palästinensischen Geschwister solidarisiert und den Unterdrücker, den kapitalistischen, reaktionär geführten, korrupten BesatzerInnenstaat, Israel beim Namen nennt. Dafür sind sie als angebliche AntisemitInnen gebrandmarkt aus dem Bündnis geworfen worden.

Ich sitze hier nicht nur mit Nazis und Vergewaltigern, auch sind hier viele Geflüchtete für lange Haftzeiten eingesperrt, für die deutsche Gefangene nicht mal die Hälfte der Haftzeit kassieren würden. Die Solidarisierung mit dem palästinensischen Freiheitskampf als antisemitisch zu bezeichnen, diffamiert Millionen, ja fast eine Milliarde Menschen südlich und östlich des Mittelmeeres als solche. Wer sich international mit Gefangenen solidarisieren will, muss auch internationalistische, revolutionäre Politik betreiben. Wer dabei anfängt, nach Volksgruppe, nationaler Herkunft und Religion zu sortieren – und als etwa anderes ist dieser Ausschluss nicht zu werten –, sollte sich überlegen, die nächste Aktion nicht doch montags abends vor der Dresdner Oper zu planen. Der imperialistische Klassenfeind profitiert in jedem Fall und wir Gefangenen können angesichts solcher pro-israelisch-nationalistischer Schweinereien nur den Kopf schütteln – denn dafür ist keine/r von uns in den Knast gegangen. Ich sitze hier, weil ich, wenn auch mit dem völlig falschen taktischen Ansatz, versucht habe, politische Kämpfe zuzuspitzen, das allgemeine Kampfniveau der Klasse zu heben, und ich sitze hier mit der Hoffnung, dass in 5 Jahren vielleicht ein paar Gruppen mehr gepeilt haben, dass es alleine eben nicht geht und die Bildung einer Einheitsfront und der Aufbau einer revolutionären Partei unbedingt notwendig sind.

Die organisierten Gefangenen der JVA Waldheim und ich als Sprecher der GG/BO-Waldheim solidarisieren uns ausdrücklich mit dem legitimen und gerechten antikolonialen Widerstand der PalästinenserInnen und verurteilen den Ausschluss der Palästina-solidarischen Gruppe BDS-Berlin aufs Schärfste. Wir fordern die verantwortlichen Personen und Gruppen dazu auf, sich von prokolonialen, proimperialistischen und letztendlich rassistischen, nationalistischen Positionen zu distanzieren und sich bei der Gruppe BDS-Berlin für ihr Verhalten zu entschuldigen.

  • Hoch die internationale Solidarität!
  • Von Kaschmir bis nach Gaza – Freiheit und nationale Selbstbestimmung für alle unterdrückten Volksgruppen – Tod dem Imperialismus!

Ich danke besonders den GenossInnen der Gruppen REVOLUTION und ArbeiterInnenmacht, die mich ständig mit Material versorgen, mich unterstützen, mir kostenlos die überaus empfehlenswerte Zeitung „Neue Internationale“ zukommen lassen und mir mit diesem Schreiben eine Stimme gegeben, meine Isolation somit gebrochen haben.