Angriffe auf die Besetzung des Hambacher Forst – Es gibt keinen grünen Kapitalismus

Der Hambacher Forst (Hambi) ist ein ehemals 12.000 Hektar großes Waldgebiet in Nordrhein- Westfahlen und mit seinen 12.000 Jahren einer unserer letzten Urwälder. 11.800 Hektar mussten dem Braunkohletagebau Hambach bereits weichen, welcher im Besitz von RWE ist. Von den heute verbliebenen 200 Hektar Wald sollen nun nochmal 100 Hektar für RWE’s Profite abgetötet werden. Seit 2012 gibt es eine Besetzung des Hambacher Forsts durch Aktivist_innen, die verhindern wollen, dass noch mehr Umwelt zerstört wird. Sie sehen das Problem darin, dass die Menschen, die unter den Folgen der Umweltzerstörung leiden, kein Mitspracherecht haben und daher auch keine Chance haben diese aufzuhalten oder sich dagegen auszusprechen.

Es sind die Kapitalist_innen, die bestimmen, wann und wie viel Umwelt zerstört wird. Da die Aktivist_innen sich auch bewusst sind, dass der Staat und seine Repressionsorgane dem kapitalistischen Interesse folgen und dieses umsetzen, sehen sie sich gezwungen über die rechtlichen Mittel hinaus zu gehen um unsere Lebensgrundlage zu retten. Wir finden diese Einstellung richtig und stehen in voller Solidarität hinter der Besetzung. In den letzten Jahren gab es viele Aktionen rund um den Hambacher Forst und die Besetzung wuchs. 30 Baumhäuser mit 70 Schlafplätzen bieten Platz für Protest, Aktivismus und ein selbstbestimmtes Leben. Ein Baum, wo ein Mensch drauf ist, darf nicht gefällt werden, wodurch diese Art der Besetzung sehr effektiv ist. Außerdem hat die Besetzung sehr viel Rückhalt und Unterstützung von Menschen, die außerhalb des Waldes wohnen. 2017 wurde der Antrag zur Einstellung der Rodungen abgelehnt. Damit zeigte unser Staat erneut, dass die Umwelt hinter den Profiten steht. Es gab schon oft kleinere Versuche den Wald zu räumen und viele Auseinandersetzungen zwischen Polizei und Aktivit_innen, sowie einige Prozesse. (siehe auch www.hambacherforst.org)

Seit dem 26 August 2018 fährt der Staat einen massiven Angriff auf die Besetzung. Während in Chemnitz zu wenig Polizei eingesetzt wurde, hat die Bundesregierung es geschafft, zum Hambi 3-4 Hundertschaften zu schicken. Wozu? RWE will in einem Monat anfangen Bäume zu fällen, dies muss von der Polizei geschützt und die Aktvist_innen müssen nun endlich endgültig vertrieben werden. Zunächst wurden die Leute massiv kontrolliert, indem alle Wege gesperrt wurden. Am Morgen des 28. wurden 20 Menschen festgenommen und das Gebiet zu einem Gefahrengebiet erklärt, damit verloren die Aktivist_innen ihre Rechte. Alle Personen ohne Ausweis wurden auf die Wachen mitgenommen, Privateigentum wurde beschlagnahmt und außer Essen und Trinken durfte nichts mehr ins Widerstandscamp mitgenommen werden. Auffällig ist seit dem 22., dass Polizist_innen mit ihren Schusswaffen auf Köpfe zielen, bevor sie sie kontrollieren. An dem Tag wo Nazis in Chemnitz ungehindert Menschen jagen konnten, kamen am Hambacher Forst auf jede/n Aktivist_in 15 Bullen. Sie zerstörten Gebäude, Wege und sprühten Pfefferspray auf Klopapier der Aktivist_innen. Das Versammlungsrecht wird eingeschränkt, indem Menschen die auf dem Weg zu öffentlichen Veranstaltungen sind und sich auf einer Versammlung befinden, durchsucht werden. Dieses Recht steht über dem Polizeirechten. Am 6.09. fiel sogar der erste Baum, die Bodenstrukturen wurden geräumt, die Rodung frühzeitig begonnen. Tag X wurde nun ausgerufen. Alle, die sich für die Erhaltung der Umwelt einsetzen wollen sollten diese Situation ernst nehmen, das Thema soweit verbreiten, wie es geht oder sogar hinfahren und vor Ort Unterstützung bieten!

Diese Entwicklung und Willkür der Polizei und des Staates, bei der Umsetzung kapitalistischer Interessen, sind damit auf einen neuen Höhepunkt gekommen. Hier sehen wir ein klares Beispiel dafür, dass es keinen grünen Kapitalismus geben wird und Umweltaktivist_innen, wie Terrorverdächtige behandelt werden, sobald Profit in Gefahr ist. Ein weiteres starkes Beispiel für diese Tatsache sind die Proteste von Standing Rock in den USA vor einem Jahr, wo es um die Erhaltung eines Indianerreservates und sauberem Grundwasser ging. Dort sind Menschen aus aller Welt hingereist, ca 10.000 Menschen lebten zur Hochzeit vor Ort. Mit Militär, Polizei und einer Security von den Betreibern der zu bauenden Pipeline wurde lange gegen das Protestcamp gekämpft. Erst als Trump an die Macht kam hat man es geschafft den Widerstand zu brechen. Es gab über 450 Festnahmen, viele Verletzte und massiven Einsatz von Gummigeschossen auf Kinder und alte Menschen.

Der Kapitalismus arbeitet in der Theorie mit unendlichen Ressourcen und auch die Wirtschaftsweise, die wir unter kapitalistischen Verhältnissen kennen, orientiert sich nicht an dem was für die Umwelt und uns gesund und wichtig ist, sondern an der größt möglichen Profitmaximierung. Je mehr die Kapitalist_innen auf eine neue Krise zusteuern desto mehr erhöhen sich die Angriffe auf die Arbeiter_innenklasse um Rechte dieser einzuschränken und mehr Ausbeutung (Profit) zu erzielen. Das gleiche passiert mit der Umwelt, ihre Ausbeutung wird sich noch steigern unter dem kapitalistischen Weltsystem. Die Folgen der Umweltzerstörung zeigen sich erst nach Jahren. Alles was wir gerade an Klimawandel und Umweltveränderung, Artensterben, Wasserverschmutzung, ect sehen können, resultiert aus der Vergangenheit. Die Langzeitfolgen können wir noch nicht mal richtig vorhersagen. Die „grüne Lüge“ verhindert, dass wir es richtig bemerken und viele denken, dass Greenpeace und Bio ausreichen und Verbesserungen schaffen. Jeder Tag den wir im Kapitalismus leben, wird unsere Umwelt jedoch weiter zerstört. Der Kampf gegen die Umweltzerstörung muss daher immer mit dem Kampf gegen den Kapitalismus verbunden werden! Wir können uns weder bei diesem Problem noch bei der Problematik des aufsteigenden Faschismus auf den Staat und seine Institutionen verlassen. Diese Strukturen dienen den Kapitalist_innen. Dies müssen wir aufzeigen und einen Weg finden den Kapitalismus zu stürzen.

Wir, als REVOLUTION, haben das Ziel eine Jugendinternationale aufzubauen, die ein Bewusstsein für sich, ihre Klasse, das System und eben auch die Umwelt bekommt. Wir wollen den Kampf der Arbeiter_innenklasse gegen die Kapitalist_innen um nicht nur uns und unsere Eltern zu befreien, sondern auch unsere Umwelt zu retten. Wir diskutieren auch darüber, welche Art der Wirtschaft nötig ist, um sowohl uns alle zu ernähren, als auch der Umwelt zu helfen sich wieder zu regenerieren. Auch in unserem Programm haben wir ein Kapitel dieser Thematik gewidmet, dort findet ihr einige unserer Forderungen zu dem Thema.

Schließt Euch der Proteste im Hambacher Forst an, macht Menschen in eurer Umgebung auf die Situation aufmerksam, zeigt Solidarität und lasst uns einen Weg finden, eine Wirtschaft aufzubauen, die sich nicht am Profit sondern an den Bedürfnissen der Menschen und der Natur orientiert.

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