Frauenunterdrückung in China

Frauenunterdrückung hat in China, wie in den meisten Ländern der Welt, eine lange Geschichte. Während der Kaiserzeit schnürte man ihnen die Füße ab, sodass sie vollkommen missgebildet waren und die Frau nicht laufen konnte. Das Getrippel wurde von Männern als schön angesehen, weil es „so hilflos“ wirkte. Doch die Praktik hatte noch einen Zweck: Frauen konnten so ihren Ehemännern nicht weglaufen.

Allgemein sah es für sie zur Kaiserzeit nicht gerade rosig aus. Die Frau war Eigentum des Mannes, bzw. seiner Familie, die sie auch gekauft hatte. Frauen hatten ihre Pflichten im Haushalt und waren ungebildet: bis ins späte zwanzigste Jahrhundert war Analphabetismus vor allem unter Frauen ein großes Problem.

Man kann den Maoisten wirklich nicht viel Gutes zuschreiben, aber die Position des weiblichen Teils der Gesellschaft haben sie stark verbessert. Nach der „sozialistischen“ Revolution erließ die Kommunistische Partei Chinas 1950 das erste Ehegesetz der Volksrepublik, welches mit den traditionellen Rollenvorstellungen brechen sollte. Es gab ihnen unteranderem das Recht, ihren Ehepartner selbst zu wählen, Eigentum zu besitzen und sich scheiden zu lassen. Gleichzeitig stellte es den in China üblichen Brautkauf und die Verheiratung von Kindern unter Strafe. Auf das Inkrafttreten der Reform folgte eine großangelegte Werbekampagne des chinesischen Frauenverbandes, welche eine riesige Scheidungswelle verursachte. Bei den Männern und ihren Familien traf dies auf Missverständnis, sie hatten für die Frau ja schließlich gezahlt. Diese Zweifel wurden von der kommunistischen Seite nie thematisiert.

Im „kommunistischen“ China hat es, wie zumindest zu Beginn der Sowjetunion mit der Unterstützung von gemeinschaftlichem Wohnen und weitestgehend vergemeinschafteter Hausarbeit noch geplant, nie einen Angriff auf die bürgerliche Familie gegeben. Stattdessen bestand die Veränderung der Situation der Frau in China darin, sie als „ebenbürtige“ Arbeiterin zu rekrutieren, da man vor allem ab 1956 während Maos „Großen Sprung vorwärts“ versuchte, China zu einem industrialisierten Land zu entwickeln und auf Wirtschaftswachstum angewiesen war. Dieses Modell der dezentralen Industrialisierung über „Volkskommunen“ ging letztendlich nach hinten los und verursachte schreckliche Hungerkatastrophen. Doch der Versuch, die Frau in den Arbeitsprozess zu integrieren, ermöglichte ihr wenigstens teilweise wirtschaftliche Unabhängigkeit. Auch gab es Gesetze zum Mutterschutz und gleichen Lohn für Frauen und Männer.

Frauen Bügeln Fahnen für den Kommunismus

Frauen Bügeln Fahnen für den
Kommunismus

Doch das unaufhaltsame Bevölkerungswachstum zwang die chinesische Regierung, die nach dem Tod Maos ´75 vom rechten Flügel der Partei gebildet wurde und auf größere Freiheit des Marktes setzte, zur Einführung der Ein-Kind-Politik. Schon drei Jahre darauf war das Verhältnis von Jungen zu Mädchen bereits am obersten Ende der Normalität. Heute sind es im nationalen Durchschnitt 118 männliche Geborene auf 100 weibliche (normal sind 103-109 männliche auf 100 weibliche). Nur 7 der 22 Provinzen haben ein natürliches Verhältnis der Geburten, auch gibt es ein starkes Stadt-Land-Gefälle. Daran kann man sehr klar erkennen, dass Töchter, trotz der in der Verfassung festgeschriebenen Gleichberechtigung der Geschlechter, immer noch einen sehr viel geringeren Wert haben als Söhne. Unteranderem hängt das mit der alten chinesischen Tradition des Konfuzianismus zusammen, die ganz klar Söhne vorzieht. Doch vor allem auf dem Land geschieht die Vererbung nach wie vor nur über die Söhne, Töchter bedeuten einen wirtschaftlichen Nachteil. Für männliche Neugeborene bekommen Dorfeltern ein Stück Hausbauland zugewiesen, für Töchter ist dies nicht der Fall. Auch haben Töchter am Geburtsort kein Recht auf Pachtland, da sie, wenn sie heiraten, ja sowieso zur Familie des Mannes ziehen. Als Folge dieser traditionellen regionalen Regeln werden weibliche Säuglinge massenhaft abgetrieben oder nach der Geburt umgebracht. Bis 2020 soll die Volksrepublik einen Männerüberschuss von 30 Millionen haben – mit dramatischen Folgen für die Gesellschaft: schon jetzt blühen Frauenhandel, Verschleppung und Zwangsprostitution. Theoretisch verbieten Gesetze den Infantizid und Abtreibung aufgrund des Geschlechtes, auch ist es untersagt, sich als Mann aufgrund des Geschlechtes des Kindes scheiden zu lassen. Keines dieser Gesetze wird auch umgesetzt. Angeblich soll Gleichberechtigung in der Geburtenplanung herrschen. Doch die vierteljährlichen Kontrolluntersuchungen richten sich nur an Frauen und sie sind auch diejenigen, die sterilisiert werden.

Seit der Restauration des Kapitalismus Anfang der 80er Jahre hat sich die Lage zusätzlich verschlechtert: Frauen stellen zwar 50% der arbeitenden Bevölkerung, verdienen aber 31% weniger als Männer. Sie gelten als zuverlässigere Arbeiter und sind vermehrt in der Leichtindustrie beschäftigt. Dort sind sie teils Opfer von Verträgen, die ihnen Schwangerschaft und Ehe verbieten. Trotzdem hat sich die Bildung der chinesischen Bevölkerung, und auch die der Frau, stark verbessert, da die expandierende chinesische Wirtschaft eine gebildetere Arbeitskraft benötigt, als es zuvor in dem eher bäuerlich geprägten Staat der Fall war. Vor allem aber ist die Altersarmut von Frauen zum Problem geworden: sie werden 5 Jahre früher berentet als Männer und somit ab einem Alter von 40 Jahren nicht mehr berentet. Daraus folgt für Frauen eine sehr viel niedrigere Rente, welche sie letztendlich wieder von Männern abhängig macht.

Madita Engström, REVOLUTION Berlin

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