Jugendkämpfe International. Warum braucht es eine neue Jugendinternationale?

Aktuelle Krisenperiode

Die Corona-Pandemie verschärft die wirtschaftliche Krise, in der wir uns befinden. Gleichzeitig schafft die Politik der Herrschenden das Potential für den Widerstand der Jugend. Viele Länder nutzen die Situation momentan aus, um unbeliebte Gesetze durchzubringen und ihren Ausbau zu einem undemokratischen System weiter fortzusetzen. Das reicht von autoritären Maßnahmen, die in fast jedem EU-Land zum „Bekämpfen der Coronakrise“ umgesetzt werden bis hin zu Ländern wie Polen und Ungarn, die die besondere Zeit nutzen um frauenfeindliche Gesetzgebungen durchzuwinken (Polen) oder sogar Notstandsmaßnahmen verordnen, die de facto die Alleinregierung einer Partei ermöglichen würden (Ungarn).

Wie betrifft die aktuelle Situation die Jugend?

Jugendliche werden heutzutage ohne wirkliche Perspektiven auf einen sicheren Job, oder ein gutes Leben groß. Sie bekommen die Auswirkungen der letzten Krisen oft stärker zu spüren als ihre Eltern, neoliberale Sparpolitik und anhaltende Ausbeutung der halbkolonialen Länder ruinieren bis heute ihre Zukunft.

Die Jugendarbeitslosigkeit hat sich seit der Krise 2008 noch nicht wirklich erholt. Nach Zahlen der International Labour Organization (ILO, Stand 2019) gibt es 1.3 Milliarden Jugendliche zwischen 15 und 25 Jahren. Davon sind 41% Teil des Arbeitskräftepotenzials (labour force), von denen 429 Millionen arbeiten und 68 Millionen arbeitslos sind. 30% derjenigen die arbeiten leben in extremer oder moderater Armut und 77% arbeiten unter prekären Umständen. Die momentane Krise verschärft diesen Trend immens. In der ersten Welle ist in Deutschland zum Beispiel die Jugendarbeitslosigkeit von 190.000 innerhalb eines Jahres aufgrund der Corona-Krise auf 275.000 gestiegen, geschätzte 40% der Studierenden haben ihre Jobs verloren. Während der ersten Welle ist in Österreich die Jugendarbeitslosigkeit um 110 Prozent und die Anzahl der Lehrstellensuchenden um 55% gestiegen. Jugendliche sind die ersten, die ihre Jobs verlieren (Schließlich sind sie meistens noch nicht so lange dabei und haben selten eine starke gewerkschaftliche Vertretung), auf der anderen Seite sind auch viele noch in Ausbildung, was den Versuch in der Wirtschaftskrise erstmals einen Job zu finden, stark erschwert. Wie sich diese Entwicklungen in der jetzigen zweiten Welle gestalten werden, kann an dieser Stelle nur mit düsterer Vorahnung vermutet werden.

In den USA machten Jugendliche zwischen Februar und April ein Drittel der Arbeitslosen aus, obwohl sie nur ein Viertel des Arbeitskräftepotenzials ausmachen. Zwar scheinen sich die Zahlen in den USA wieder etwas normalisiert zu haben, nachdem sie anfangs sehr krass anstiegen, ein Grund dafür ist aber sicher auch, dass viele Jugendlichen aus der Gruppe der Arbeitssuchenden herausfielen. Im Juni waren 28% der 16-24 jährigen weder in Ausbildung noch in einem Arbeitsverhältnis. Im Juli wohnten mehr als 50% der 18-29 jährigen (wieder) bei ihren Eltern. Auch wenn Arbeitslosenzahlen stark fluktuieren können, ist klar, dass ein Land, in dem sich Jugendliche enorm verschulden müssen, um eine Ausbildung zu erlangen, keine gute Perspektive für junge Menschen liefert. ,

Es gibt Prognosen, die bis 2021 90.1 Millionen(!) Arbeitslose in Ostasien erwarten, was zum Großteil auf die ärmeren Regionen und Länder verteilt sein wird, für die auch die durch die Corona Krise bedingten Einschränkungen der Migration Jobverlust bedeutet. Die Situation halbkolonialer bzw. kolonialer Länder, die auch davor extrem angespannt war, was Jugendarbeitslosigkeit angeht, wird sich noch drastischer zuspitzen, speziell in Ländern in denen die Aus- bzw. Nachwirkungen der Apartheid noch klar spürbar sind. Im Gazastreifen lag die Jugendarbeitslosigkeit vor der Krise bereits bei ungefähr 60%, in Lesotho bei 33%.

Aber die schlechten Job- und Ausbildungsmöglichkeiten sind für Viele nur die Spitze des Eisbergs. Fast die Hälfte aller Menschen, die sich momentan auf der Flucht befinden sind Minderjährige. Sie müssen vor dem sicheren Tod fliehen, nur um an den Außengrenzen Europas unmenschlichen Hygienebedingungen, Hunger und (oftmals sexualisierter) Gewalt ausgesetzt zu sein.

Für die Unabhängigkeit der Jugend!

Die Jugend hat oft eine spezielle Rolle in politisch-fortschrittlichen Kämpfen. Sie ist nicht desillusioniert von vergangenen Kämpfen, hat mehr Zeit und Energie, um die Situation selbst in die Hand zu nehmen und zu ändern und bekommt viel der tagtäglichen Ungerechtigkeiten am eigenen Leib zu spüren. Zwar sind Jugendliche keine einheitliche Klasse, sondern oft vielmehr geprägt von den Klassenverhältnissen ihrer Eltern, es ist aber ein enormer Vorteil sie für die Anliegen und Interessen der Arbeitenden Klasse zu gewinnen, schließlich ist ein relevanter Teil von ihnen das zukünftige revolutionäre Subjekt und lernt schließlich auch am Besten aus den eigenen Fehlern. Es ist notwendig sie schon früh für revolutionäre Politik zu gewinnen. Genau deswegen ist die gesonderte Organisierung der Jugend zentral. Es macht oft keinen Sinn, sie in dieselben Strukturen einzubinden, die von älteren Generationen dominiert werden und Jugendlichen (wie auch in der Schule und Zuhause) nicht dieselben Möglichkeiten bieten politisch zu wachsen. Politische, organisatorische und finanzielle Unabhängigkeit der revolutionären Jugendorganisation sind wichtig, um einen gemeinsamen Kampf der Arbeiter*innen und der Jugend gegen das Kapital zu organisieren. Wir wollen über den Aufbau einer revolutionären Jugendorganisation den Schulterschluss mit den Arbeiter*innen aller Länder suchen und im Endeffekt dabei helfen eine revolutionäre Weltpartei der Arbeitenden und der Jugend aufzubauen.

In welchen Kämpfen war die Jugend im letzten Jahr involviert?

Wir haben als wohl wichtigste Anknüpfungspunkte die Kämpfe gegen politische Regime und Regierungen. Das sind auf keinen Fall Bewegungen, die ausschließlich von Jugendlichen getragen werden, aber viele starten auf den Schultern von jugendlichen Menschen. In Chile fing die Bewegung, die sich gegen Pineras neoliberale Politik stellte, mit den Protesten von jungen Menschen gegen die Erhöhung der Ticketpreise an. In der Bewegung spielen bis heute die studentischen Vereinigungen und Organisationen eine maßgebliche Rolle in der Organisierung. Die Proteste in Hong-Kong, die zwar nicht über demokratische Forderungen hinauskamen, aber dennoch eine Reihe von sich radikalisierenden Elementen eine Stimme gaben, werden durchwegs als eine sehr junge Bewegung beschrieben.

Genauso ist das erneute mächtige Aufflammen der Black-Lives-Matter Bewegung eine wichtige Entwicklung für die kommenden Kämpfe der Jugend. Eine starke, antirassistische Perspektive, die sich mit fundamentaler Kritik an Organen der Klassenunterdrückung entlädt, so wie es angefangen mit den USA in vielen Ländern passierte, ist eine wichtige Entwicklung für den Klassenkampf. Auch in Nigeria gab es in letzter Zeit Massenproteste gegen die Polizei, insbesondere ihre SARS Spezialeinheit, die besonders stark von Jugendlichen getragen wurde.

Auch in Bewegungen, die etwas weniger starke Resonanz erzeugte, erkämpft sich die Jugend einen Platz. Es ist keine Überraschung, dass „linke“ Sozialdemokrat*innen wie Jeremy Corbyn in Großbritannien oder Bernie Sanders in den USA (wobei Letzterer noch einmal moderater ist als der Erste) eine große Befürwortung innerhalb der Jugend genossen und für viele junge Menschen auch der Auslöser zur Organisierung untereinander waren. Die Niederlage und der Verrat (wie in der Sozialdemokratie nicht unüblich) dieser beiden Männer, wenn auch für viele sehr enttäuschend, kann nicht darüber wegtäuschen, das Jugendliche bereit für sozialistischen Alternativen sind und auch bereit sind für sie zu kämpfen.

Als die größte internationale Jugendbewegung unserer Zeit wollen wir uns auch mit der Umweltbewegung Fridays for Future (im Folgenden FFF) beschäftigen. Da Jugendliche von den zunehmenden Auswirkungen der Umweltzerstörung des Kapitalismus besonders betroffen sein werden, verlangen sie berechtigterweise die Umweltpolitik mitbestimmen zu können. Den Weg der Lösung der Umweltfrage sah FFF vor allem darin die Regierungen zu bitten die Ziele des Pariser Klimaabkommens umzusetzen. Dies ist problematisch, da das Pariser Abkommen in Bezug auf die Reduktion der Treibhausgasemission und auf das Thema der Umweltverschmutzung unzureichend ist. FFF versteht zudem nicht, dass die Regierungen auf der Seite der kapitalistischen Unternehmen stehen, die aus der Zerstörung der Umwelt Profit schöpfen. Wir Lohnarbeiter_Innen haben dagegen ein uneingeschränktes Interesse die Erde für uns auf Dauer bewohnbar zu machen. Die Umweltfrage ist also eine Klassenfrage, was FFF jedoch leugnet und stattdessen eine kleinbürgerliche Politik vertritt. Internationale Schulstreiks konnte die Regierungen zudem nicht zur Änderung ihrer Politik zwingen. Die Politik der Bewegung ist damit faktisch gescheitert. Es wäre notwendig die Bewegng politisch und praktisch zu radikalisieren und die Streiks auf die gesamte Arbeiter_Innenklasse auszuweiten. So können die Regierungen und das Kapital dort getroffen werden, wo es wirklich weh tut: Beim Profit. Zudem ist eine umweltfreundliche Reorganisierung der Wirtschaft und Gesellschaft nur mit der Macht der Beschäftigten aus den jeweiligen Branchen denkbar. Nur dadurch kann der Umweltbewegung wieder neues Leben eingehaucht und das gewaltige Engagement der Jugend in politische Siege verwandelt werden.

Was brauchen wir deswegen?

Dass Kämpfe, die international geführt werden auch leichter gewonnen werden liegt auf der Hand. Doch unser Internationalismus ist nicht nur in der Kraft der internationalen Solidarität der Ausgebeuteten und Unterdrückten begründet. Für uns ist es auch eine zentrale Einsicht, dass in einem kapitalistischen Weltsystem keine Bewegung dauerhaft isolierte Erfolge erzielen kann, wenn es ihr nicht gelingt Verbündete in anderen Ländern zu finden. Der „Sozialismus in einem Land“ ist im 21. Jahrhundert, dem Zeitalter der Globalisierung, noch deutlich illusorischer als er es im 20. Jahrhundert war – gleichzeitig sind aber durch die internationalisierten Produktionsketten und den enormen Fortschritt in der Geschwindigkeit des Austausches und der Kommunikation die Bedingungen für internationale Solidarität um einiges einfacher geworden. Antworten auf diese Fragen und wie die Kämpfe zu gewinnen sind, können wir nur ausreichend beantworten, wenn wir an allen Orten der Welt die fortschrittlichsten Jugendlichen organisieren und für die Perspektive des antikapitalistischen Kampfes gewinnen.

Wie organisiert man aber gemeinsam solche Kämpfe und wie können wir in Zukunft global agieren? Wir von REVOLUTION stehen für den Aufbau einer neuen Jugendinternationale nach dem Vorbild der sozialistischen Jugendinternationale, die 1907 gegründet wurde. Ein Zusammenschluss von kommunistischen Jugendorganisationen, die auf der Basis eines gemeinsamen Programms weltweit gegen Imperialismus bzw. Kapitalismus kämpfen.

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